Teil 3 - Die erste gemeinsame Etappe

Von Hull folgte die nun vereinigte Expeditionskolonne den Wegweisern in Richtung "North". Auf der Autobahn wurde dann die Qualität der örtlichen Autobahnraststätten (Little Chef) getestet. Nach einigen verwirrten Blicken auf die Speisekarten haben sie dann ein sehr ansprechendes Essen erhalten und gestärkt die Weiterfahrt angetreten. Bei Darlington verließen sie den Schnellweg (M1) und fuhren über den kleineren Schnellweg (A68) in Richtung des "Border Forest Park". Bei Hexam verließen sie auch diesen Pfad und folgten dem Hadrian's Wall (dem von Kaiser Hadrian errichteten Schutzwall vor den bösen, im Norden hausenden Kelten) in Richtung Westen. Auf ihrem Weg besichtigten sie einige gut erhaltene römische Befestigungsanlagen (welche teilweise stark mit den Ausscheidungen der örtlichen Wollschweine übersäht waren). Bei Lanercost angekommen, machte sich unsere Reisetruppe wieder auf gen Norden in Richtung des Tageszieles (Border Forest Park). Kurz vor ihrem Ziel gefiel es unseren Reisenden, sich mit Proviant zu versorgen. So besuchten sie einen lokalen Versorgungspunkt in Newcastleton, wo der angeblich des Englischen nicht fähige Claus seine Internationalität bewies. Er fand Gefallen an einem der lokalen Backwaren und bat seine Holde, ihm dieses einheimische Kleinod zu kaufen. Diese lehnte sein Ansinnen mit gestrenger Miene ab. Worauf unser wort- und gestengewanter Claus auf das Objekt seiner Begierte zeigte, die Verkäuferin mit seinem treuen Dackelblick anschaute und in feinstem Englisch "pleeeeease!" sagte. Ob nun aus Peinlichkeit oder aus Mitleid wird wohl für immer ein Geheimnis bleiben, aber diese Aktion zeigte die gewünschte Reaktion. Das holde Burgfräulein kaufte unserem internationalen Carpenter die gewünschte Backware, bezahlte auch den übrigen Einkauf und verließ eilig den Laden. Alsdann machten sich unsere tapferen Recken auf die letzten Meilen ihrer ersten Tagesetappe - nichtsahnend der Strapazen und Qualen, die ihnen noch bevorstehen sollten. Kurz vor dem angestrebten Ort "Kielder" am "Kielder Reservoir" fanden die beiden Megane-Kutscher eine Ruhestätte für die Nacht. Eine kleine Farm, die B&B (Bed & Breakfast) für expeditionsfreudige Reisende anbot. Nachdem sie ihr Nachtquartier gesichert hatten, fuhr man gemeinsam die verbleibende Meile bis Kielder weiter. Dort wurde dem Lehnsherren des örtlichen Campingplatzes ausreichend Geld geboten, auf daß sie eine Nacht ihre Zelte auf seinem Land aufbauen durften. Dieses allerdings erwies sich als eines der schrecklichsten Erlebnisse der ganzen Expedition. Kaum hatten sie die Zelte ausgepackt, als sich auch schon die lokalen Raubtiere in großen Scharen auf sie stürzten. Es handelte sich um den Schrecken jedes Schottlandexpediteurs - die berüchtigten schottischen Midges (kleine, sehr biß- oder stechwütige Mücken). Sie mußten ihre Zeltaufbau immer wieder für kurze Zeit unterbrechen und vor den kleinen Monstern fliehen, um nicht völlig von ihnen aufgefressen zu werden. Als sie es aber schließlich doch geschafft hatten, die Zelte aufzubauen und einzuräumen (jeder von ihnen war total zerstochen), begaben sie sich in das örtliche Pub. Bis auf die beiden Wackeren Helden Claus und Dirk bestand die Reisetruppe auf eine Fahrt im geräumigen Megane. Was sich allerdings nach Auskunft des ortskundigen Dirk nicht lohnte, da das Pub nur wenige Meter vom Campingplatz entfernt war. Die Anderen ließen sich aber nicht überzeugen und fuhren wohl aus Angst vor den Midges lieber mit dem Auto. Zu Fuß und ohne von einer Midge belästigt worden zu sein, erreichten die Beiden als erste das Pub. Nachdem auch nach einigen Minuten von den Fußkranken nichts zu sehen war, begaben sich unsere Helden auf die Suche nach den verschollenen Gefährten. Sie fanden sie schließlich ganz verwirrt im Orte auf, von wo sie sie sicher zum Pub geleiteten. Dort nun gemeinsam versammelt genoß man endlich die Runde, welche die Rotterdam-Hull-Fahrer ihnen schuldig waren. Anschließend erkundete man die örtlichen Speisen. Unser internationaler Claus erwies sich als verkappter Gemüseliebhaber - nannte er die von ihm bestellte gefüllte "Potato" doch immer wieder "Tomato". Nach weiteren Lagern (den örtlichen Bieren) und auch fester Nahrung begab sich unsere Truppe recht früh (gegen 21:00 Uhr) gen Schlafgelegenheiten - wohlwissend, daß sie früh am nächsten Tag die ersehnte Grenze zu Schottland überschreiten werden. Überleben unsere Helden die Nacht? Oder werden sie von den Midges gefressen? Und was erleben sie am ersten Tag in Schottland?



03.08.1998 Herbert Framke
17.04.2000 URL's aktualisiert HF
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